10.09.2015 - 03.10.2015

Gegen 15:00 Uhr rief ich bei der Vermietstation von Cruise America in Bosten kurz an und bestellte für den 11.09.2015 um 09:00 Uhr ein Taxi, das uns zur Vermietstation bringen sollte.
Der Vorabendcheckin verlief ohne Probleme. Ich musste wieder alle Reisepassdaten und eine Adresse in den USA eingeben. Ein Fensterplatz war auch gleich reserviert. Entgegen der Ankündigung war es kein A380 sondern ein A340-600, wie wir ihn schon im vergangegen Jahr nach San Francisco als Transportmittel hatten. In den nächsten Stunden kam weder eine Mail von Lufthansa, dass sich am Flug twas ändert noch war etwas vom Streik der Piloten am nächsten Tag zu hören. Der Abflug war also sicher.
Ein Tag vor NINE ELEVEN - und erhöhte Sicherheitsmaßnahmen für Amerikaflüge waren angesagt.
Reisepass und Ticket wurden ständig mehrmals begutachtet, bevor man den abgeschlossenen Bereich von Gate H07/08 betreten durfte. Ein Herauskommen war danach nicht mehr möglich. Also warten, bis pünktlich um 15:00 Uhr mit dem Boarding begonnen wurde, obwohl am Gate überhaupt kein Flugzeug stand!
Alle Flugzeuge nach Amerika an diesem Tag waren in einem abgeschotteten Bereich hinter Terminal 1 abgestellt und so wir wie in den guten alten Zeiten auf dem Flughafen München-Riem mit Bussen zum Flugzeug gebracht. Dann stellte man auch noch fest, dass ein Passagier, der sein Gepäck bereits aufgegeben hatte, nicht erschienen war, so dass dieses Gepäch erst einmal in den Flugzeugcontainern gesucht und herausgeholt werden musste. So kam es, dass wir mit 2 Stunden Verspätung starten konnten.
Der Flug verlief ruhig über Nürnberg, Frankfurt, Antwerpen weiter entlang der Themsemündung über London nach Irland, stundenlang über den Atlantik, südlich vorbei an Nova Scotia und endlich nach Boston, wo wir mit einer Verspätung von nur noch 18 Minuten bei strömenden Regen landeten.
Die Einreise für wiederholte USA-Besucher erfolgte diesesmal vollständig digital und eigenständig. An über 30 sogenannten Kiosken musste man seinen Reisepass scannen, die Einreisefragen beantworten, die Fingereabdrücke einer Hand scannen und ein Foto ohne Brille machen lassen. War Computer mit dem Ergebnis zufrieden, bekam man das Einreisedokument ausgedruckt, mit dem man von einem Officer der U.S. Customs and Border Protection den notwendigen Einreisestempel erhielt.
Nachdem das Gepäck vom Band genommen war, musste man noch ein paare wichtigen Beamten vorbei, deren Funktion die reine Anwesenheit war, und wurde dann in die Ankunftshalle des Boston Logan Airport Terminal E entlassen.
Da ich mir schon vorher im Internet in einer Animation den Weg zum Hilton Boston Logan angesehen hatte, war es sehr einfach, diesen zu finden: Mit der Rolltreppe von Level 2 auf Level 4, weiter über eine Überführung ins das zentrale Parkhaus, dort mit dem Fahrstuhl wieder hinunter nach Level 2, über den Skywalk zum Zentralfahrstuhl des Hotels und dort hinunter auf Level 1 an die Rezeption.
Das Zimmer 611 war für diese Nacht unsere Unterkunft. Nachdem wir das Gepäck abgestellt hatten, gingen wir zurück zum Flughafen, um einerseits Geld abzuheben und andererseites in einem netten Pub amerikanische Pizza mit Guiness zu genießen. Da an diesem Tag auch noch das Eröffnungsspiel der NFL (New England Patriots - Pittsburg Steelers) war, war es gar nicht so einfach, noch einen Platz zu bekommen. Übrigends gewannen die Patriots deutlich im ströhmenden Regen.
Gegen 23:00 Uhr Ortszeit gingen wir wieder zurück zum Hotel und schliefen hervorragend in einem amerikanischen Kingsize-Bett.
Überpünktlich um 08:55 Uhr holte uns der Taxifahrer in der Lobby des Hilton Boston Logan ab und brachte uns nach gut einer Stunde Fahrt in der morgendlichen Rushhour nach Tyngsboro.
In der kleinen Autovermietung erhielten wir unser Monster RV (3,7 m hoch, 3,0 m breit, 9,1 m lang und 6,4 to schwer, einem V-10 Motor mit 208 Liter Tank). Nach dem Verstauen der Kleidung war das erste Ziel, deh Kühlschrank für die nächsten Tage zu füllen.
Walmart: außer Obst, Gemüse und Fleisch gab es dort alles. Den Rest fanden wir nur 2 Minuten weiter (wie uns die nette Angestellte an der Kasse des Walmart erklärte) in einem Basket Market.
Ziel war heute ein Campground südlich von Portland an der Atlantikküste, eine Fahrstrecke von ca 120 mi, die wir über einige Interstates (auch mautpflichtig) zur Küste überwanden und dann mit einer rasanten Geschwindigkeit von 25 mph der Küstenstraße folgten.
Der Campground hatte bereits geschlossen und im angegebene Office ein paar Straßen weiter war auch keiner mehr. Also stellten wir uns auf den Platz mit der Absicht, am kommenden Tag das Übernachtungsgeld zu bezahlen.
Spätestens um 05:00 Uhr konnte keiner mehr schlafen. Also ab unter die Dusche und zum Strand, um den Sonnenaufgang zu erleben.
Gegen 6:30 Uhr waren wir wieder zurück am Wagen. Da musste ich feststellen, dass der Abfluss vom Grauwassertank (Dusche) undicht ist und sich der Inhalt über den Waldboden verteilt hatte. Um die Stelle abzudichten, musste ich mir das amerikanische Spezialtape in einem Supermarkt besorgen. Also rein ins Auto und weiter (ohne für die Nacht bezahlt zu haben).
In Fallmouth erstand ich das Tape und kroch auf dem Parkplatz - nur mit Badehose bekleidet - unter das Fahrzeug, um die undichte Stelle zu reparieren. Nach ca 15 Minuten war das Loch dicht und ich am Rücken dreckig. Um die Ecke war dann auch gleich eine Tankstelle und dann gings weiter auf dem Highway 1 über Belfast, wo ein Umzug der Feuerwehren stattfand, zum Acadia National Park.
Leider ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Osten nicht für RVs über 20 ft eingerichtet. Es gibt so gut wie keine Parkplätze. Auf dem Parkplatz von Fort Knox wurde uns dann auch ein Platz bei den Bussen zugewiesen. Im Acadia National Park suchten wir sogar über 2 Stunden einen Stellplatz und bekamen erst außerhalb der Nationalparks einen großen und schönen Platz für 28,08 $ (tja, die Steuer ...).
Die ganze Nacht war Dauerregen angesagt. Am Morgen war es wieder relativ trocken, so dass wir eine größere Runde durch den National Park drehten.
An mehreren Stellen blieben wir stehen und erwanderten, begleitet von leichtem Nieselregen, einzelne Aussichtspunkte an der Felsenküste.
Mittags fuhren wir dann bei trockenem Wetter nach Bar Harbor, wo es tatsächlich etwas außerhalb des Zentrums einen kostenlosen Parkplatz für RVs gibt. Hier verspeisten wir zuerst einmal ein Lobster-Spezial-Menü mit lokalem dunklen Bier und tranken nach einem etwas längeren Verdauungsspaziergang durch die Geschäfte (auch Shoppen genannt) einen Espresso.
Leider war in der Zwischenzeit die Kleinstadt von Touristen total überlaufen, da gleich zwei große Kreuzfahrtschiffe vor Anker lagen. Man konnte nicht einmal eine Walfahrt buchen, da alle Termine von den Kreuzfahrtschiffen belegt waren.
So fuhren wir wieder zurück zum Stellplatz, machten uns ein kleines Lagerfeuer an und legten ein dickes Steak auf die Pfanne.
Auch in dieser Nacht hörte der Regen nicht auf. Am Morgen lag die Landschaft im dicken Nebel, als wir nach dem Leeren der beiden Abwassertanks den Campground verliesen.
Wir kauften an der Straße einen großen Sack Campwood für 10$ und fuhren anschließend nach Ellsworth zum Einkaufen und Tanken.
Dem Highway 1 weiter nach Norden an der Küste folgend kamen wir durch kleine Fischerdörfer und überschritten bei Calais die Grenze nach Kanada. Obwohl wir aus USA einreisten mussten wir einen Fragenkatalog ausfüllen, bevor wir den Einreistestempel erhielten.
Gleichzeitig mit dem Grenzübergang wechselt man auch die Zeitzone!
Beim ersten Verkehrsschild zuckte ich zusammen: 50 innerorts in Kanada, 25 in USA ??? Ja, die Kanadier verwenden das uns bekannte metrische System: km und km/h. Also das Navi umstellen, damit die Entfernungs- und Geschwindigkeitsangaben korrekt angezeigt werden (der Tacho zeigt weiterhin stur mph und mi).
Wird folgten dem Kanada-Highway 1 bis zum New River Beach Provincial Park, wo wir einen tollen Stellplatz im Wald für 28 $ (CAD) fanden. Da der Stand sehr einladend und es noch früh am Nachmittag war, durchwanderten wir bis zur Dunkelheit den naturbelassenen Sentier Chittick's Beach Trail - ein Hochmoor auf der Halbinsel Barnaby Head.
Die Nacht war ruhig und trocken. Für heute war Strecke angesagt mit Ziel Nordenspitze von Nova Scotia.
Der Highway 1 führt über Saint John ins Landesinnere nach Moncton und führt als Highway 104 teils einspurig nach Norden zur Insel Breton Island. Über die Bundesstraße 19 gelangten wir an der Westküste entland bis nach Petit Etang, wo wir auf dem Campground des Cape Breton Highlands National Park noch einen Stellplatz fanden.
Mit dem Betreten von Breton Island startete auch der Dauerregen, der auch jetzt, während ich diese Zeile eingeben, auf das Dach des RVs herunterprasselt.
Wenn es morgen trocken wird, fahren wir durch den National Park, ansonsten geht es zurück nach Süden in Richtung Halifax.
Der Dauerregen hörte irgendwann in der Nacht auf, so dass wir uns gegen 08:30 Uhr in den National Park einfuhren.
Nach mehreren Fotostopps durchwanderten wir den 9,2 km lagen Skyline Trail und waren nach gut zwei Stunden wieder zurück. Es folgte der kleine Bog Trail, in dem die Geschichte der Ahornsirup-Gewinnung erzählt wurde. Whale Watching in der Pleasant Bay fiel wegen Sturm auf dem Atlantik, so dass wir es morgen an einer anderen Stelle noch einmal versuchen müssen.
Am frühen Nachmittag fanden wir noch einen schönen Platz auf dem Hideaway Campground für 25 $ (CAD) und schauten uns danach noch die stürmische See in der Bay St. Lowrence an. Wieder zurück auf dem Campground war für heute nur noch Wäsche waschen angesagt.
Die Nacht war sehr frisch bei sternenklaren Himmel, da wir ungeschützt auf einer Wiese standen und der Wind vom Meer direkt auf den Wagen traf. Für große Fahrzeuge waren die Stellplätze im Wald zu kurz und zu eng.
Gegen 8:00 Uhr fuhren wir weiter und folgten der Parkstraße Richtung Westen, um über eine kleine Nebenstraße nach White Point abzufahren. Hier hatte uns eine nette Parkangestellte einen Trail an die Spitze des Caps verraten. Wir parkten an der Hafenmole und marschierten entlang eines steinigen Feldweges auf das Cap zu. Der Weg war ca. 5 km lang und führte vorbei an einem Seefahrerfriedhof zur Felsenküste.
Zurück auf der Hauptstraße fuhren wir weiter zu Green Cove, einer Felsenzunge, wo bei hohem Wellengang eine sehr starke Brandung zu beobachten ist - nur heute war Sonne und fast kein Wind angesagt. Die nächste Sehenswürdigkeit wartete nur 10 km weiter im Landesinneren: die Chutes Mary Anne Falls - aber leider nicht für uns, da RVs die enge Straße nicht befahren dürfen.
Also weiter der Küste entlang nach Ingonish. Petra wollte ja immer noch eine Whale Watching Tour machen. Im kleinen Hafen befand sich auch ein Büro von Zodiag Tours, offen aber unbesetzt. Auf einem Zettel stand eine Telefonnummer, unter der man eine Tour buchen kann.
Also Smartphone raus und zwei Plätze für die nächste Tour gebucht. Nach ca. 1 Stunde Wartezeit kam dann sowohl die Büroangestellte als auch das Schlauchboot von der ersten Tour des Tages zurück.
Inzwischen hatte sich eine Gruppe von 9 Personen zusammengefunden. Jeder von uns bekam einen orangen Vollkörperkondom zum überziehen und dann gingen wir breitbeinig wie die Astronauten zum Boot. Der Kaptän raste mit dem Boot hinaus auf die offene See, das Boot sprang von Wellenkamm zu Wellenkamm und die Gischt nässte uns von oben bis unten ein.
Nach ca. 20 Minuten war die Walregion erreicht und innerhalb einer Stunde konnten wir 6 Walsichtungen in der unmittelbaren Umgebung verzeichnen. Dann ging es wieder mit Vollgas zurück. Der Wind hatte in der Zwischenzeit deutlich aufgefrisch, so dass das Boot wie wahnsinnig auf den Wellen hin und her tanzte.
Wir verließen den National Park nach Süden und wollten eine Abkürzung mit der Fähre machen. Aber leiden war das Auto zu lang. Also wieder zurück zur Hauptstraße und nach gut 110 km waren wir wieder auf dem Festland. Unterwegs mussten wir noch einen kleinen Halt einlegen, um einen echt leckeren Hot Dog zu essen.
Wir fuhren den Weg zurück nach New Glasgow und fanden an der Bundesstraße 285 den Lorda Park. Lorda steht für Lansdowne Outdoor Recreational Development Association und man kann dort kostenlos übernachten.
Ein nettes Ehepaar begrüßte uns und wir stellten uns auf einen ebenen Platz mitten in der Wiese umrahmt von Laubwald. Da die Benutzung des Campgrounds ja kostenlos ist, hinterließen wir entsprechend der allg. Gebühren für Stellplätze eine entsprechende Spende in der Spendenbox.
Gegen 6:30 Uhr hatten wir unseren Morgentrunk gekocht. Nach dem Leeren der beiden Abwassertanks (2 Min) musste nur noch der Frischwassertank gefüllt werden (10 Min, da der Druck der Wasserleitung ziemlich mau war). Dann gings auch schon weiter Richtung Highway 102, dem wir bis nach Halifax folgten und dann eine kleine Küstenstraße nach Peggy's Cove weiterfuhren. In diesem kleinen Fischdorf steht der Postkartenleuchturm von Kanada und dementsprechend viele Touristen waren hier auch unterwegs.
Am Leuchturm selbst gab es Dudelsackmusik zu hören. Wir flüchteten ziemlich schnell aus der Menschenmasse und fuhren weiter auf den Highway 103, der uns nach ca 1 Stunde nach Lunenburg brachte: Eine ziemlich heruntergekommene Kleinstadt (UNESCO-Kulturerbe). In Old Lunenburg gab es ein paar schön hergerichtete Häuser aus dem 18 Jahrhundert zu betrachten. Highlight aber war der Besuch der Kirche, die 2001 völlig niederbrannte und nach 4 Jahren Wiederaufbauarbeit vollständig rekonstruiert wurde. Hier konnten wir einem tollen Orgelspiel lauschen, das jeden Freitag zwischen 15:00 und 16:00 Uhr stattfindet.
Unseren nächsten Campground erreichten wir nach ca. 3,5 Stunden Fahrt an der Bucht von Fundy im Five Islands Provincial Park. Der Platz liegt an einer Steilwand mit Blick auf die untergehende Sonne.
Ich machte noch ein Lagerfeuer und wir grillten unser erstes Kanadisches Steak - einfach lecker (aber nicht vergleichbar mit den Steaks in USA) und beobachteten den Mond und das Band der Milchstrasse.
Morgen liegt ein längerer Fahrtag vor uns. Wir wollen so weit wie möglich nach Norden an die Grenze zwischen New Brunswick und Quebec. Ab hier beginnt eine mehrtägige Küstenfahrt (ca 1000 km) entlang des Golfes von St. Lorenz und weiter flußaufwärts nach Quebec.
Unter heutiges Ziel ist ein Campground in Quebec an der Chaleur Bay. Wir fuhren um 7:30 Uhr zurück auf den Highway 104, überquerten die Grenze nach New Brunswick und besorgten uns im ersten Visitor Center eine kostenlose Karte und ein paar Tips für die 4,5 Stunden lange Fahrt durch New Brunswick. Dann gings weiter auf den Highway 11, den wir bei Bouctouche verliesen, um uns eine Sanddüne anzuschauen und ein verspätetes Frühstück zu geniesen. Nach einem kurzen Spaziergang fuhren wir auf dem Highway 11, der zwischendurch auch mal Highway 8 heißt, weiter nach Norden und versorgten uns unterwegs noch mit einigen wichtigen Lebensmittel in einem Walmart, bevor wir in Campbellton über eine große Brücke New Brunswick verliesen und Quebec erreichten.
Kleiner Hinweis: Frage niemals in Campbellton einen Angestellten im Supermarkt auf English. Erstens versteht er nur Französisch und zweitens antwortet er in der Sprache der Eingeborenen. Man kann nur hoffen, dass ein bildungsnaher Einheimischer einem zur Hilfe kommt, mit dem man sich auf English unterhalten kann und der dann in die Sprache der Eingeborenen übersetzt.
Mit der Überquerung der großen Brücke über die Chaleur Bay fuhren wir nicht nur in die vorherige Zeitzone zurück (der Tag hatte damit 25 Stunden), es gab auch keine amerikanische Beschilderung mehr.
Ab jetzt muss Petra weitgehend die Konversation bestreiten, da die Einwohner zum großen Teil kein English oder nur sehr dürftig English sprechen/verstehen. Beispiel: Der Versuch einen Kaffee extra large und einen Kaffee small zu bestellen war nur unter Zuhilfenahme der Getränkekarte möglich. Weder auf English noch auf Französisch verstand uns das nette Mädchen an der Kasse.
Auch die Suche nach einem Stellplatz war sprachlich gesehen ein Abenteuer. Die Dame im Office konnte zwar mein Anliegen verstehen, ab es fiel ihr schwer, auf English mir die unterschiedlichen Stellplätze und deren Ausstattung zu erkären. Egal, wird hatten unseren Stellplatz direkt am Strand.
Pünktlich zum Frühstück begann es zu regnen. Wellenartig brasselte der Regen herab und hörte dann wieder für einige Minuten auf. In einer dieser Regenpause baute ich den Abwasserschlauch ab, füllte den Wassertank wieder auf und verstaute das Stromkabel.
Wir verließen den Campground in Richtung Westen und folgten weiter dem Highway 132, dem Küsten-Highway. Bei Shigawake entdeckte Petra ein kleines Schild, dass auf einen Wasserfall in der Nähe hinwies. Natürlich war die Abfahrt vorbei. Nach ein paar 100 Metern fand ich eine Möglichkeit, das Fahzeug rückwärts in eine Einfahrt zu steuern und zurück zum Schild zu fahren.
Nach ca. 2 km wurde aus der Asphaltdecke eine Piste. Nach weiteren 600 Meter tauchte vor uns eine Senke mit einem anschließenden steil ansteigenden und ausgewaschenen Abschnitt auf. Da kein Schild auf die Entfernung zum Wasserfall hinwies und auch nicht klar war, wie der Weg danach weitergeht, beschlossen wir, ca 400 m rückwärts zu fahren, wo wir zuvor eine Einmündung bemerkt hatten.
Wir stellten dann hier unser RV ab, zogen die Wanderschuhe und regendichte Kleidung an und folgten im leichten Nieselregen der Piste. Sobald wir das steile Stück bewältig hatten, war der Parkplatz zum Wasserfall erreicht. Ein großes Schild weist allerdings darauf hin, das die Weiterfahrt nur auf eigene Gefahr erfolgt.
So folgten wir dem Trail auf eine Länge von ca. 2,5 km bergauf/-ab durch den Wald zum Wasserfall. Am Ziel angekommen muss man sagen, dass sich der Weg auf jeden Fall gelohnt hat.
Wieder zurück am RV fuhren wir auf den Highway 132 nach Norden. In der Touristen-Information von Gaspê besorgte ich uns noch einen Plan vom Nationalpark Fordion. Im Nationalpark selbst sicherten wir uns zuerst einen schönen Stellplatz mit Meerblick und fuhren dann auf der südlichen Seite des Nationalparks bis zum Ende der Straße. Ab hier führt ein wunderschöner Wanderweg entland der Steilküste bis an die Spitze Cap Gaspê mit Leuchtturm.
An dieser Stelle beginnt auch der kanadische Appalachentrail mit 1000 km Länge nach Maine in den USA und trifft dort auf den amerikanischen Appalachentrail, der nach 3500 km Länge aus Georgia endet. Und von diesem weltberühmten Wanderweg sind wir die ersten 5 km bereits gegangen:
Yes! We hiked the appalachian trail ...
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir wieder den Stellplatz im Campground auf der Nordseite des Nationalparks. Morgen werden wir noch zwei kleine Wanderungen einschieben, bevor uns der Wegs ins Landesinnere zum Nationalpark in der Gaspésie führt.
Um 6:30 Uhr verließen wir den Campground und durchwanderten 2 Trails: Ein Rundweg zu einem Wasserfall von ca 2 km und entlang eines Flusses von ca. 10 km Länge.
Nach diesem Frühsport fuhren wir wieder zurück nach Gaspê: unterwegs wurden noch einige Dinge eingekauft und getankt.
In Gaspê fuhren wir dann auf dem Highway 198 ins Landesinnere nach Mordochville. Von hier zweigt ein 50 km langer Schotter-Highway zum südlichen Parkeingang des Nationalparks der Gaspésie ab. Die einzigen Fahrzeuge, die uns entgegen kamen oder uns überholten waren entweder Baustellen-LKWs oder vollgeladene Holztransporter. Auf der Piste sind 70 kmh erlaubt, die Holztransporter überholten uns mit mindestens 90. Wir mussen dann immer für kurze Zeit stehen bleiben bis sich die Staubwolke so weit aufgelöst hatte, dass man weiterfahren konnte.
Im Nationalpark suchten wir zunächst einmal das Büro, um uns einen Stellplatz im Campground für die Nacht zu sichern und auch die Eintrittsgebühr zu bezahlen.
Anschließend fuhren wir auf einer weiteren Schotterstraße ca. 8 Kilometer zum nächsten Kurztrail an einem wunderschön gelegenen See. Wieder auf dem Highway besuchten wir noch einen netten Wasserfall und kehrten danach zum Campground zurück.
Mitten im Wald an einem kleinen Bachlauf mit Grillplatz standen wir einsam und verlassen. Um uns nur Wald und lauter leere Stellplätze : OUT OF SEASON.
Um 6:30 Uhr war Moose Watching angesagt. Also fuhren wir auf einer Schotterpiste zu einem Parkplatz im National Park, von dem wir zu einer Rundwanderung mit Elchblick und Gipfelbesteigung (so das Informationszentrum) aufbrachen.
Die Entfernungsangaben in diesem National Park waren wie in Kanada üblich in km ausgewiesen, aber ein Kilometer in diesem Nationalpark entsprach einer Meile. Hier hat sich einer ganz schön verrechnet.
Egal, wir wanderten zusammen mit einigen anderen Frühaufstehern den Trail hinauf zum Gipfel und konnten tatsächlich auf halber Höhe eine Elchkuh mit ihren Jungen beim Grasen beobachten. Der Gipfel ermöglicht einen wundenbaren Rundblick über den herbstlich (leider nur gelb) gefärbten Birkenwald auf den Hügeln der Appalachen.
Zurück am Parkplatz verließen wir den National Park in Richtung Nordosten zum St. Lorenz Strom.
Hier fuhren wir auf dem Highway 132 weiter entlang der Küste, bis wir am frühen Nachmittag den Provincial Park Bic erreichten. Hier buchten wir uns auch gleich auf dem Campground ein und machten eine wunderschöne Wanderung entlang der Küste. Zu dieser Zeit herrschte Ebbe, so dass man trockenen Fußes zu den einzelnen Inseln gelangten konnte. Unterwegs trafen wir auf unterschiedlichte Tiere: ein Eichhörnchen, das ständig von einer zur anderen Seite des Weges kleine Tannenzapfen als Wintervorrat transportierte, ohne sich von uns gestört zu fühlen; ein Fuchs, der vor uns auf der Lauer saß und sich uns bis auf 1 Meter näherte und auf dem Rückweg - es war schon nach 17:00 Uhr - zwei weibliche Weißwedelhirsche, die das saftige Gras fraßen.
Zurück am Campground fuhren wir zurück an den Parkeingang, da sich hier auf einem weiteren Campground die Wäscherei befindet. Nach ca 25 Minuten Waschen und ca 45 Minuten Trocken (zusammen für 4 $ CAD) fuhren wir in stockdunkler Nacht zurück auf den Stellplatz, wo mich Petra mit der Taschenlampe einweisen mußte, da man rückwärts einparken muss, um die Anschlüsse des RV's benutzen zu können.
Nach einem kurzen Frühstück war eine kurze Wanderung (ca 5 km) zu einem Aussichtspunkt auf dem Programm. Von hier aus hatte man eine wunderbare Sicht über die Bucht und die vorgelagerte Inselwelt des National Parks.
Dann gings auf die Autobahn weiter nach Westen entlang des St. Lorenz Stroms nach Quebec. Zur abentlichen Rushhour fuhren wir über eine große Brücke auf das Nordufer, weiter quer durch den Autobahndschungel nach Nordosten und fanden einen Stellplatz für 2 Tage am Stadtrand.
Um die Ecke (ca 5 km) befinden sich die Montmorency Wasserfälle (83 m), wo wir auch sofort hinfuhren (12 $ USD Parkgebühr - nach 18:00 Uhr frei !!!). Und dann suchten wir mit dem RV die Station des Metrobusses und einen Parkplatz für den morgigen Tag. Wir werden uns gegenüber der Busstation auf den Parkplatz eines Einkaufszentrum stellen und hoffen, dass am Abend das RV immer noch da steht.
So feiern wir morgen Petras Geburtstag in Quebec (der Geburtstagskuchen ist bereits gekauft).
Gegen 8:30 Uhr fuhren wir im morgentlichen Berufsverkehr zum Parkplatz eines Einkaufszentrum, den wir bereits Gestern auf der Suche nach der Busstation gefunden hatten.
Der Metrobus 800 brachte uns für 2,75 $ USD direkt in die Stadt zum Parlamentsgebäude, von wo aus wir die Besichtigung der Altstadt begannen.
In der Touristen-Information besorgten wir uns einen Stadtplan und ein paar Tipps, was man unbedingt an einem Tag gesehen haben sollte: Fahrt mit der Funikulare in die Unterstadt, Fahrt mit der Fähre über den St. Lorenz Strom (wegen der tollen Aussicht vom gegenüberliegenden Ufer), Besuch der Markthalle am Hafen und der umliegenden Kirchen sowie ein Spaziergang auf der alten Stadtmauer.
Am späten Nachmittag fuhren wir dann wieder mit dem Metrobus zurück zum Parkplatz und weiter mit dem RV zum Campground.
Hinweis:
Quebec besitzt ein unwahrscheinlich großes und dichtes Busnetz, mit dem man sehr preiswert größere Strecken zurücklegen kann. Aber es gibt ein großes Problem: es existiert kein Fahrplan, d.h. man weiß nicht, wie und wann ein Bus zum angegebenen Ziel fährt. Man muss also zuerst einmal wartende Fahrgäste fragen, mit welcher Buslinie man an ein bestimmtes Ziel (grobe Angabe reicht) erreicht und erkundigt sich nach dem Einsteigen beim Fahrer, an welcher Haltestelle man aussteigen soll. Wenn das Problem mit der Linie und der Haltestelle gelöst ist, ist es vollkommen problemlos, in Quebec mit dem Bus an sein Ziel zu gelangen.
Um 7:30 Uhr stürzten wir uns in den Berufsverkehr und hatten dann auch um 9:00 Uhr Quebec hinter uns gelassen. Der Verkehr ist einfach wahnsinnig. Man steht sich auf mehreren dreispurigen Autobahnen in die Stadt hinein, hindurch und wieder hinaus.
Unser heutiges Ziel war ein Campground am Ontario See in den Vereinigten Staaten. Wir fuhren auf dem Autobahn 20 nach Südwesten, umfuhren Montreal im Süden und folgten der Autobahn 401 am Nordufer des St. Lorenz Stromes bis zur letzten Brücke im Gebiet der Thousand Islands über dem Strom nach den USA.
Da wir ja bereits die vollständige Einwanderung in USA und Kanada hinter uns gebracht hatten, war die Wiedereinreise in die Staaten nach 5 Minuten (ein paar Fragen beantworten) erledigt und wir setzten unseren Weg fort nach Süden, dem Interstate 81 folgend.
Im Selkirk Shored Stape Park in der Nähe von Rulaski am Ufer des Ontario Sees fanden wir einen tollen Stellplatz. Um uns rund herum herrschte ein typisch amerikanisches Campingleben: neben jeder Feuerstelle lagen große Berge von Feuerholz. Es ist Wochenende und die Väter waren mit ihren Söhnen zum Fischen gekommen. Beim Spazieren über das Gelänge war ein lockeres Schwätzchen mit jederman angesagt. Sobald es dunkel wurde, brannte vor fast jedem Stellplatz ein riesiges Lagerfeuer und man saß auf Bänken und Stühlen zusammen mit einer Dose Bier in der Hand und dem einen oder anderen dickten Steak auf dem Grill.
Bei uns gab es das Steck in der Pfanne und eine zweite Pfanne voll mit Reis, Texasbohnen, Mais und Zwiebeln - ergänzt durch Soure Cream ... lecker ...
Hinweis:
DIe Brücke über die Thousand Islands muss man gefahren sein. Im St. Lorenz Strom reiht sich eine kleine Insel an die nächste mit glarklarem Wasser. Und wenn man nach der Überquerung der Brücke auf der kanadischen Seite noch einmal zu Fuß auf die Brücke geht, hat man einen tollen Ausblick auf die Inselwelt. Gleich hinter der Brücke gibt es auch einen Aussichtsturm.
In aller Frühe fuhren wir über Interstate 81 nach Syracuse und weiter auf Interstate 90 (gebührenpflichtig) nach Niagara Falls. Auf dem KOA Campground fanden wir gegen 10:30 auch gleich einen Stellplatz für die Nacht und fuhren weiter auf dem Parkplatz des Aquariums (freies Parken und Kauf von zwei Tagespässen für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten).
Wir folgten einer Fußgängerbrücke hinab zum Ufer des Niagara Flusses, unterquerten die Rainbow Bridge und stellten uns am Lift des Obervation Tower zur an für die Fahrt mit dem Boot zu den Wasserfällen.
Nachdem wir unseren blauen Regenumhang angezogen hatten ging es aufs Boot. Auf der kanadischen Seite tragen alle einen roten Regenumhang. Das Boot fuhr uns zuerst nahe an die amerikanischen Fälle heran. Obwohl diese nicht so hoch sind wie die kanadischen Fälle, wurden wir trotz des Regenumhanges gut angefeuchtet. Dann fuhr das Boot direkt in die tosende Gischt der kanadischen Horseshoe Waterfalls und über uns brasselte das Wasser in Strömen auf uns herab. Es ist unglaublich, mit welcher Kraft sich das Boot gegen die Fluten stemmen muss, um nicht abgetrieben zu werden. Nach gut 10 Minuten Dauerregen drehte das Boot wieder ab und brachte uns - ziemlich eingeweicht - zurück zum Obervatioin Tower. Wir entledigten uns an Land der blauen Regenumhänge und fuhren wieder mit dem Aufzug nach oben.
Um sich aufzuwärmen und auch wieder die Hosen trockenen zu lassen gingen wird ins Hardrock Cafe, um dort einen leckeren Hamburger mit noch leckereren French Fries zu verspeisen. Gestärkt und fast trocken stand der zweite Wasserspaß auf dem Programm.
Der Fußweg war doch etwas länger und die Sonne trocknete die letzten feuchten Stellen an Körper und Kleidung. Für den Besuch der Wasserfälle bekommt man zuerst einen Beutel für seine Schuhe und Socken, anschließend neue rutschfeste Kunststoffsandalen (zum Mitnehmen !!) und nachdem man mit dem Fahrstuhl wieder nach unten gebracht wurde und durch einen langen Tunnel (per Hand in 2 Jahren aus dem Felsen geschlagen) an Niagarafluss wieder erreicht hat, bekam man einen gelben Regenumhang, der zumindest 30 - 40% der bedeckten Körperfäche nach der Wanderung durch die Wasserfälle trocken hält.
Nach ca. 2-3 Minuten ist die Hose nass bis zu den Knien und von oben kommt ständig neues Wasser nach. Die Treppen, auf denen man sich entlang des Wasserfalles bewegt, werden an einigen Stellen vollständig überflutet und man kann an zwei Stellen mit der Hand direkt in den Wasserfall hineinlangen.
Total durchnässt zieht man am Ende der Tour seinen gelben Umhang aus und fährt mit dem Fahrstuhl nach oben. Auf der Besucherplattform wärmt man sich wieder auf und wechselt, sobald die Füße wieder trocken sind, die Schuhe.
Nächstes Ziel: Zu Fuß über die Rainbow Bridge nach Kanada. Mit einem Trolley Bus fuhren wir den ganzen Weg wieder zurück und suchten dann den Weg über die Brücke. Gut getarnt fanden wir schließlich auch die Tür in der Sicherheitszone und marschierten über der Brücke.
Auf der kanadischen Seiten mussten wir uns dann über einen halbe Stunde gedulden, bis wir die Grenzkontrolle hinter uns hatten. Da wir ja bereits schon vorher in Kanada waren, mussten wir nur die üblichen Sicherheitsfragen beantworten. Wer noch keinen Einreisestempel besaß, durfte das Einreiseformular ausfüllen.
Auf der kanadischen Seite gingen wir dann parallel zu den amerikanischen Fällen (tolle Fotos) zu den kanadischen Fällen. Der Aufenthalt dort war nur von kurzer Dauer, da der ständige Niederschlag uns wieder zu durchnässen drohte.
Also wieder zurück zur Grenze. Dort mussten wir zuerst einmal 1 $ CAD Wegezoll für die Benutzung der Brücke bezahlen und konnten dann nach intensiver Befragung des US Zollbeamten (warum und wie lange waren wir in Kanada?) wieder in die USA einreisen.
Als nächsten schauten wir uns den IMAX Film über die Geschichte der Entdeckung, der Überquerung der Fälle auf dem Seil und der Überwindung der Horseshow Falls in einer Tonne an. Dann war es auch schon ziemlich dunkel und so warteten wir mit vielen Besuchern bis 20 Uhr, bis die Fälle mit kräftigen Scheinwerfern beleuchtet werden.
Gegen 20:45 Uhr gingen wir dann ziemlich müde zurück zum RV und fuhren zum Campground. Leider war der direkte Weg durch eine Baustelle versperrt, so dass wir nach einigen Umwegen doch noch das richtige Loch auf die Schnellstraße fanden.
Zum Abendessen gab es American Pizza von einem Straßenimbiss gleich neben dem Campground.
Heute standen drei wichtige Dinge vor der Abfahrt nach Osten auf dem Plan: Wäsche waschen, Propan nachfüllen und die Abwassertanks leeren.
Gegen 10:30 Uhr verließen wir den Campground und fuhren auf der gleichen Stecke wieder zurück, auf der wir tags zuvor hergekommen waren.
Bei Ausfahrt 42 hatte Petra ein Outlet entdeckt, dass jetzt das heutige Highlight sein sollte.
Also shoppten wir (eigentich Petra), bis der hoffentlich leere Platz in den Koffern mit allem Möglichen wieder gefüllt war und fuhren weiter über Syracuse und Verona nach Rom.
Der von uns angedachte Campground hatte bereits zu und so suchten wir weiter, bis wir einen am hintersten Ende eine Sees fanden. Aber das Büro war schon geschlossen. Eine Telefonnummer an der Türe war für Spätankömmlinge angegeben. Und nachdem ich mit der netten Frau telefoniert hatte, war sie nach 5 Minuten da und weitere 5 Minuten später standen wir auf unserem Platz.
Da an diesem Abend die totale Mondfinsternis angekündigt war, wurden wir auch gleich zu einer spontanen Fete eingeladen. Die Hausherren luden zu Süßem und Kaffee bzw. Bier ein. Es war ein lustiger Abend und wir kamen erst spät nach 23:00 Uhr ins Bett.
Trotz der langen Nacht brachen wir ziemlich früh auf, um in den Adirondack Park zu kommen. Alle paar Meilen gehen auf beiden Seiten der Straße unterschiedlich lange Wanderwege ab.
Wir besuchten einen Aussichtsturm und einen tief im Wald gelegenen See, den wir aber nicht ganz erreichen konnten: ein Biber hatte den Wanderweg in einer Seenlandschaft verschwinden lassen.
Nach einem leckeren Mittagesses in einem Diner begannen wir mit der erfolgslosen Suche nach einem offenen Campground und - falls offen - nach einem Stellplatz mit Strom. Die Nächte sind jetzt bereits so kalt, dass man eine Heizung benötigt.
Eine nette Mitarbeiterin der Parkverwaltung gab uns dann die Adresse eines KOA Campgrounds bei Lake Placit, den wir nach ca 45 Minuten auch erreichten: das Office war bereits geschlossen. Aber es lag eine Liste mit noch freien Plätzen aus. So fuhren wir auf den Campground und stellten uns auf einen der freien Plätze.
Da wir ja am Vortage nur eine Self Registration durchgeführt hatten, ging ich gegen 8:30 Uhr ins Büro, um die Stellplatzgebühr für die Nacht zu bezahlen.
Da die Sonne etwas durch die Wolkendecke blickte und es auch nicht mehr regnete, fuhren wir zu einem Wasserfallpark in der Nähe, der aber erst in 15 Minuten aufmachte. Während dieser Wartezeit verschlechterte sich so das Wetter, dass wir weiterfuhren. 30 mi nordöstlich trafen wir auf eine weitere Schlucht (Ausable Charm / Gorge). Das Wetter war trocken und wir machen einen Spaziergang durch die Schlucht mit einer angeschlossenen Raftingtour. Nach dem Aussteigen führte uns ein Wanderweg am oberen Rande der Schlucht wieder zum Ausgangpunkt zurück.
Unser nächsten Ziel war ein Campground in den White Mountains. Um nicht einen Umweg bis zur kanadischen Grenze zu befahren, benutzten wir eine Fähre über den Lake Champlain bei Plattsburgh und fuhren dann weiter durch Vermont über Burlington und Montpelier. Hier verliesen wir den Interstate 81 und folgten der US 302 nach Osten. Der erste Campground im Stillwater Statepark hatte schon geschlossen, was wir erst nach 15 mi am Ende der Straße feststellten.
Also wieder zurück und weiter nach Woodville und Lisbon, wo im starken Dauerregen ein offener KOA Campground auf uns wartete.
Die ganze Nacht regnete es ununterbrochen wie aus Kübeln. Da auch für die kommenden Tage in den Bergen kein besseres Wetter in Sicht ist, brachen wir um 8:00 Uhr auf in Richtung Plymouth - südlich von Bosten.
Nur mit Badehose und Regenponcho bekleidet entfernte ich wieder den Wasseranschluss und das Stromkabel. Die Pflöcke für die beiden Anschlüsse standen in einer Senke und das Wasser reichte mir fast bis an die Knie. Als nächstes musste ich noch beide Abwassertanks in identischer Bekleidung entleeren, bevor ich mich abtrocknen konnte.
Die Fahrt nach und durch Bosten waren grauenhaft. Stellenweise kam der Verkehr zum Erliegen, da man nur noch ganz langsam durch die Wasserfluten fahren konnte, die von einer Seite auf die andere Seite der Fahrbahn flossen.
Den Campground erreichten wir dann im nahezu trockenen Zustand. Beim Aussteigen die Überraschung: 24 Grad und eine unwahrscheinlich hohe Luftfeuchtigkeit.
Da für die nächsten Stunden kein größerer Regen angekündig war, fuhren wir gleich weiter nach Plymouth, um auf den Spuren der Pilgrims zu wandern (im Hafen dümpelt die Mayflower II).
Nach einem verspäteten Mittagessen in einem mexikanischen Restaurant mit leckerem Bier fuhren wir wieder zum Campground zurück. Der Regen hatte uns wieder einmal eingeholt.
Eine ruhige Nacht - kein Regen. Über die Schnellstraße fuhren wir in eine nette Kleinstadt namens Sandwich und folgten dann der 6A weiter bis an das Ende der Insel.
Hier war mal wieder alles für größere Fahrzeuge gesperrt - leider erst dann, wenn man bereits abgebogen war. Beim letzten Wenden passierte es dann auch: ich fuhr an einen Strommasten aus Holz und dieser verbog mir die hintere Stoßstange.
Wir werden sehn, was das noch für Kosten nach sich zieht. Auf jeden Fall sind die Kosten durch die deutsche Zusatzversicherung abgedeckt.
Gegen 19:00 Uhr war dann auch der Checkin für den Rückflug erledigt und die Boardcard auf jedem iPhone angekommen.
Dann ging es noch an das Verstauen der vielen Mitbringsel - wir werden sehen, was die Waage am Flughafen dazu sagen wird.
Dauerregen die ganze Nacht. Die Nachttemperaturen waren so tief gefallen, dass die Heizung immer wieder anging. Gegen 8:00 Uhr begannen wir dann die restlichen Sachen in den Koffern zu verstauen und den großen Mülleimer gegenüber zu befüllen. Gegen 10:30 Uhr durfte ich dann mal wieder im strömenden Regen alle Versorgungsleitungen abbauen. Nachdem wir unseren Propantank aufgefüllt hatten ging es ins Einkaufszentrum (20 mi entfernt). Im Walmart kauften wir uns ein gebackenes Huhn für das spätere Mittagessen und noch eine Kofferwaage und einen Koffergurt, da der Reißverschluss von Petras Koffer erste Verschleißerscheinungen zeigte.
Um 12:45 Uhr fuhren wir dann los. Wir hatten ja noch 130 mi über den äußersten Autobahnring zu fahren und das Fahrzeug musste um 15:00 Uhr abgegeben werden. Wegen des starken Verkehrs entschlossen wir uns, den mittleren Autobahnring zu nehmen. Der Verkehr wurde immer dichter und so schafften wir es noch bis 14:45 Uhr, bei der Vermietstation anzukommen.
Das Fahrzeug war auch gleich abgegeben, die defekte Stoßstange wurde ignoriert. Ich bekam die Kaution zurückerstattet und um 15:15 Uhr saßen wir bereits im Taxi, das uns durch den jetzt noch dichteren Feierabendverkehr nach 44 mi und 1,5 Stunden Fahrt am Flughafen absetzte.
Die Schalter waren frei und innerhalb 5 Minuten waren wir auch unsere Koffer los. Das mitgebrachte Hühnchen - mittlerweile kalt - konnten somit in aller Ruhe auf den Sitzen vor den Schaltern verzehren.
Gegen 18:15 Uhr stellten wir uns bei der Ausreisekontrolle an: Leeren aller Hosentaschen, Schuhe ausziehen, Gürtel raus, Laptop raus, Geld raus ..., dann der Ganzkörperscanner und wir waren durch.
Jetzt warten wir nur noch auf das Bording. Der Flieger ist bereits da und wird für den Rückflug hergerichtet.
Es war eine lange Nacht. Die Versorgung an Boad war gut und das Unterhaltungssystem hatte einige gute Filme zu bieten. Wir landeten punktlich in München. Der Alltag hatte uns wieder eingeholt.
Fazit: Die Ostküste ist sehr interessant und erinnert landschaftlich stark an Mitteleuropa. Die Menschen sind sehr offen und man merkt, dass bei vielen der Ursprung in Europa liegt. Es ist das andere Amerika, alles liegt sehr nahe beieinander - man muss keine weiten Strecken zurücklegen, um in die nächste Stadt zu kommem. Die Straßen sind voll, das Verkehrschaos an der Tagesordnung. Die Städte sind nicht für das Reisen mit einem RV eingerichtet: es gibt einfach keine Parkplätze dafür.
Nachdem wir jetzt den Westen, Südwesten, Osten mit den Großen Seen und Südosten der USA bereist haben, bleiben noch zwei Regionen übrig: Der mittlere Westen mit den weiteren Ebenen und der Süden am Golf von Mexiko.
Von Kanada fehlt uns jetzt noch der Westen bis zu den Großen Seen.